Historisches zur Kirche St. Johannes zu Toestrup

Eine Gebäudegruppe südlich des Dorfes Oersberg, bestehend aus der vom baumumstandenen Friedhof umgebenen Kirche, dem über 200 Jahre alten Reetdachpastorat mit Gemeindehaus und Küsterhaus sowie dem Dorfkrug bildet den Rest des 1231 genannten und um 1600 zugunsten des Gutes Toestorf niedergelegten Dorfes Toestrup.

Die weiß gestrichene, z. T. verputzte Feldsteinkirche aus Rechteckschiff und eingezogenem Kastenchor entstand gegen Ende des 12. Jh. Eines der kleinen romanischen Rundbogenfenster ist in der Ostwand des Chores erhalten. Bei einer Renovierung 1858/59 ließ der Bauinspektor Meyer die heutigen großen Spitzbogenfenster, vielleicht angeregt durch das spätgotische Fenster in der Nordwand des Chores, herstellen. In die bereits 1792 zugleich mit einer geringfügigen Westverlängerung neu aufgeführte Westwand ließ er als Ersatz für die damals vermauerten romanischen Seitentüren ein neues Hauptportal einbauen. Seine heutige Rundbogenform mit Backsteinrahmung erhielt es bei der Renovierung 1946-48.

Das Tympanon

Das Bogenfeld über dem Eingang füllt seit 1998 ein Tympanonrelief aus Sandstein. In elementarer Knappheit hat der Bildhauer Ulrich Lindow die Taufe Christi durch Johannes, dem Namenspatron der Kirche, unter dem Regenbogen, begleitet von den Abendmahlssymbolen Weinstock und Ähren dargestellt.

 

Der Altar

Ihren weithin sichtbaren neugotischen Dachreiter, den dritten an dieser Stelle, erhielt die Kirche 1886-89 nach Entwurf des Schleswiger Kreisbauinspektors Hotzen. Die drei Glocken hängen in einem der schönen freistehenden Angelner Holztürme. 

Durch Abbruch des Chorbogens und des gotischen Kreuzgewölbes im Chor vereinheitlichte man 1788-92 den Innenraum zu einem protestantischen Predigtsaal mit durchgehender flacher Balkendecke. Der 1948 aus Klostersteinen aufgemauerte Altar trägt einen lange Zeit abgestellten spätgotischen Aufsatz, den ein unbekannter Schnitzer aus dem Umkreis des bedeutenden Lübecker Bildhauers Claus Berg um 1520 schuf. Den Schrein füllt eine figurenreiche Kreuzigungsszene mit höchst lebendig gestalteten Personengruppen, in den Flügeln stehen die zwölf Apostel.

 

Die Kanzel, das Kirchenschiff, die Orgel

Die Spätrenaissancekanzel von 1620-30 zeigt in den Brüstungsfeldern Reliefs der Kreuzigung und der vier Evangelisten. Mit der Sanduhr von 1725 konnte die Länge der Predigt bemessen werden. Einige der bei der Renovierung 1946-48 entfernten Kunstwerke sind nach und nach auch dank der zur Restaurierung nötigen Spendenbereitschaft der Gemeinde in den schönen Raum zurück-gekehrt. So schwebt über dem modernen Taufstein von 1964 wieder der 1759 von dem Bildhauer Marchalita geschaffene barocke Taufengel. An der Nordwand erhielt der 1909 geschenkte neugotische Altaraufsatz vom Schnitzer Hansen, Stangheck, seinen Platz.

Die festlichen neugotischen Kronleuchter mit kleinen Marienfiguren, ursprünglich für das Kieler Schloss geschaffen, beleuchten wieder das Kirchenschiff. Schließlich konnte 2000 der Rest eines der wenigen in Schleswig- Holstein noch erhaltenen gotischen Sakramentshäuser neben dem Altar aufgestellt werden. Der aus einem Stamm geschnitzte, von vier Giebeln gekrönte Holzschrein diente im Mittelalter der Aufbewahrung der geweihten Hostien.

Die Orgel auf der 1859 für die Stühle der Güter Drült und Toestorf erneuerten Westempore baute die Werkstatt Marcussen, Apenrade, 1870, mit spätklassizistischem Prospekt. Der Eingangsraum ist seit 1954 würdige Gedenkstätte für die Toten des 2. Weltkrieges, deren Namen auf einer wandhohen Holztafel verzeichnet sind.