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Advent – Zeit der Erwartung!

Liebe Gemeinde! „Erwartungen sind psychologisch gesehen Einstellungen des Menschen, die sich auf mehr oder weniger klare Zielvorstellungen beziehen. Es ist eine vorstellungsmäßige Vorweg-nahme von Ereignissen, von bestimmten Denk- und Handlungszielen, die in der Zukunft liegen. Erwartungen sind eine Art Schwebezustand, der das Verhalten und Erleben bestimmt. Erwartungen sind vorweg-nehmende Reaktionen auf Handlungen, die erwartet, gewollt, gewünscht, erhofft oder vermutet werden. Ist ein Mensch ausgeglichen und zufrieden, offen und glücklich, selbstbestimmt lebend, sind seine Erwartungen geringer, die Erwartungsspannung auf ein Minimum reduziert.“ So lese ich in einem Artikel. Ah, so ist das also! Advent – Zeit der Erwartung – ein Schwebezustand! Und? Wie gespannt sind Sie auf Weihnachten? Jetzt werden Sie vielleicht innerlich den Kopf schütteln. Gespannt auf Weihnachten, dass sind doch wohl in erster Linie die Kinder, und unter Ihnen wohl am ehesten die Kleinen. Die Größeren schon abgeklärt – man weiß ungefähr, was man zu „erwarten“ hat. Schließlich gab es eine Wunschliste, oder man war schon beim Einkaufen der Geschenke dabei, hat die Internetseite weitergegeben, auf der die Dinge zu finden und zu bestellen sind, die man gerne haben möchte... Da bleibt wenig in der Schwebe. Erwartungsspannung? Wohl eher nicht! Aber es wird uns im obigen Zitat ja auch  erklärt, warum die Erwartungsspannung bei uns vielleicht „auf  ein Minimum reduziert“ ist: „Ist ein Mensch ausgeglichen und     zufrieden, offen und glücklich, selbstbestimmt lebend, sind seine Erwartungen geringer“. Geht es uns „zu gut“ für Spannung, für echte Erwartung? Ist auf Grund unseres Lebensstandards an die Stelle der Erwartung eher die Angst getreten, eben diesen Standard nicht halten zu können. So höre ich es in politischen Debatten – eine dubiose Verlustangst angesichts eines relativ hohen Lebensstandards. Ich würde die Angst gerne eintauschen gegen Erwartung, möchte gerne wünschen, hoffen, vermuten – möchte leicht werden angesichts der Fülle von Dingen, Sorgen, Fragen, möchte in den Schwebezustand der Erwartung! Ist das schon Flucht vor den harten Fakten des Lebens? Advent – Zeit der Erwartung. Erwartung heißt für mich: sich ausrichten, nicht einfach nur einrichten in dem, was jetzt gerade ist. Wer sich nicht auf einen ferneren Ort ausrichtet, nur auf die eigenen Füße starrt, wird nicht den Weg sehen, der ihn weiterführt. „Unter bestimmten Voraus-setzungen können Erwartungen sehr hilfreich sein. Zum Beispiel ist die Erfüllung von Erwartungen gewährleistet in Versprechen, Verab-redungen, Absprachen, Vereinbarungen, Verträgen, wenn sie auf gleicher Augenhöhe stattfinden. Die „Vertragspartner“ können erwarten, dass die eingegangenen Verbindlichkeiten erfüllt werden. Ohne solche Regelungen ist das Leben nicht denkbar, sie verschaffen uns ein Gefühl von Verlässlichkeit und Sicherheit. Enttäuschungen halten sich bei solchen Regelungen in Grenzen.“, heißt es in dem Artikel weiter. Ah! Ich schwebe also nicht ziellos umher. Nein, im Advent und zu Weihnachten geht es um eine Verabredung, ein Versprechen: Du wirst finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen! Ein Vertrag mit Gott auf Augenhöhe, denn Gott wird Mensch! ER begegnet Dir (auch) unter widrigen Bedingungen, nicht in einem vorgegaukelten Schlaraffenland und nicht im siebten Himmel, wälzt nicht Berge von „Bestechungsgeschenken“ und „Blickverstellern“ vor sich her, sondern kommt „nackt und bloß“! Mit den nackten Tatsachen seiner Sehnsucht nach Beziehung und Liebe für diese Welt! Er drückt sich nicht weg und lässt „uns mal machen“. Ganz verbindlich und verbindend kommt er. Gott macht nicht „Schnipp!“ und alles ist gut, sondern Gott verbindet die fragenden, verzagten, verletzten Seelen mit dem Band der Zusage: „Ich bin bei Dir. Hab´ keine Angst! Ich gehe mit Dir. Mein Licht leuchtet für Dich! Selbst in der Finsternis des Sterbens: gehalten – je mehr Du selber loslassen kannst, je mehr wirst du spüren, wie ich trage!“ Gott hat das nicht nur gesagt, sondern uns vorgelebt in Jesus Christus. Hat sich selbst tragen lassen durch Maria in das Leben, von dem Esel nach Jerusalem, von dem Engel, der ihm diente, in Gethsemane von seinen Jüngerinnen herab vom Kreuz in die Grabeshöhle, von seinem Vater in die Weite des Himmels. Und unser Part bei der Geschichte: ihm folgen, Schritt für Schritt, dem Versprechen trauen, seinen Worten nachgehen. „Die „Vertragspartner“ können erwarten, dass die eingegangenen Ver-bindlichkeiten erfüllt werden. Ohne solche Regelungen ist das Leben nicht denkbar, sie verschaffen uns ein Gefühl von Verlässlichkeit und Sicherheit.“ Also keine ängstliche Sorge um enttäuschte Erwartungen. Alles „leichter“ nehmen, weil wir nicht alleine tragen. Ein Schwebe-zustand! „Erwartungen sind eine Art Schwebezustand, der das Verhalten und Erleben bestimmt.“ Warum nicht? Je mehr wir Gott tragen lassen und uns gegenseitig tragen, desto leichter wird es! Ich glaube tatsächlich an diese „Verabredung“, an Gott als verläßlichen „Vertragspartner“ und stimme dem Artikelschreiber zu:  „Enttäuschungen halten sich bei solchen Regelungen in Grenzen.“

Eine gesegnete Zeit der Erwartung und der Weihnacht wünscht Ihnen Ihre Pastorin Bettina Sender